VerStraGem - Verwertungsstrategie für Gemüsereststoffe


In Tirol werden im Schnitt 40.000 Tonnen Gemüse pro Jahr geerntet. Der Markt gibt den Produzenten strenge Richtlinien in Bezug auf Optik und Maße vor. Selbst qualitativ hochwertigste Produkte können so oft nicht in den Handel gelangen, obwohl sie für den Verzehr bestens geeignet wären.

Das Projekt

Das Projekt VerStraGem ist ein Kooperationsprojekt unter der Leitung des MCI – Die Unternehmerische Hochschule® und unter Beteiligung der Agrarmarketing Tirol und einem Partnerkonsortium mit dem Ziel, eine nachhaltige Verwertungsstrategie für Gemüsereststoffe im Tiroler Kontext zu entwickelt.

Konsortium

Mit einem breit aufgestellten Konsortium bestehend aus dem MCI - Die Unternehmerische Hochschule®, der Landwirtschaftskammer Tirol, der Wirtschaftskammer Tirol, dem Verein der Tiroler Gemüsebauern, der Abfallwirtschaft Tirol Mitte GesmbH, der Tigas-Erdgas Tirol GmbH und der Agrarmarketing Tirol GmbH sind die Voraussetzungen für eine Zusammenarbeit gegeben.

Zentrale Frage

Die zentrale Fragestellung, dem das Vorhaben nachgeht, ist es zu evaluieren wie viel des angebauten Gemüses tatsächlich in den Handel kommt und wie viel in der Produktionskette ausgeschieden wird. In den bestehenden Erhebungen werden – abhängig von der Gemüsesorte – meist nur die marktkonformen Produkte erfasst. Deshalb soll das Projekt die Lücke zwischen Anbau und Verkauf schließen und ein Verwertungskonzept, sowohl für Lebensmittel als auch für Reststoffe erstellen.

Hierzu ist es unter anderem notwendig, die betrieblichen Strukturen des Tiroler Gemüseanbaus zu erheben sowie Mengen für die Datengrundlage zu erfassen. Abhängig von Sorte und Produktionsweise wird das Gemüse auf unterschiedliche Weise sortiert- auch diese Prozesse werden evaluiert.
Es werden im Zuge des Vorhabens verschiedene Szenarien für mögliche Verwertungsmöglichkeiten untersucht.
Die gesamte Untersuchung soll im Wesentlichen eine Entscheidungsgrundlage bieten, welche Konzepte die Ressourcen der anfallenden Gemüsereststoffe am effektivsten nutzten können.

Was sind Gemüsereststoffe

Gemüsereststoffe fallen bei der Verarbeitung der frischen Ernte am Hof an bzw. sind Ausschussware, die für den Lebensmittelhandel nicht geeignet sind. Sie grenzen sich somit klar von klassischen organischen Rest- und Abfallstoffen ab.

Ziel der Studie

  • Ressourcenmanagement und neue Absatzwege
    Ziel ist es, ein Ressourcenmanagement im Bereich der Tiroler Gemüseproduktion zu etablieren und neue Absatzwege zu schaffen
  • Abschätzung, der bis dato nicht erhobenen Gemüsereststoffe in Tirol, welche noch vor Abgabe in den Handel entstehen
  • Entwicklung von nachhaltigen Strategien zu Verwertung des Gemüses in Form von Reaktivierung, stofflicher und energetischer Verwertung

Unsere Tätigkeiten / Entwicklungen und Meilensteine

Datenerhebung bei den Tiroler Landwirten

Laufende Datenerhebung zur weiteren statistischen Auswertung wurde durch das Projektteam direkt am Feld bei Tiroler landwirtschaftlichen Betrieben durchgeführt. Es wurde dabei der Frage nachgegangen, wieviel Gemüsereststoffe bei der Verarbeitung der frischen Ernte am Hof anfällt und wieviel davon Ausschussware darstellt, die für den Lebensmittelhandel nicht geeignet sind.

Die Initiative Karakter Ernte

Die Initiative Karakter Ernte steht für in Tirol gewachsenes und produziertes Gemüse sowie Obst, das nicht exakt den Anforderungen des Lebensmittelhandels entspricht und unter der Marke „Karakter Ernte“ vermarktet wird. Diese Produkte werden normalerweise aussortiert und entsorgt.
Die Produkte der Karakter Ernte entsprechen denselben gesetzlichen qualitativen Bestimmungen wie die handelsübliche Ware und unterscheiden sich vorrangig durch die Größe und verfügbare Menge. Geschmacklich unterscheiden sie sich in keiner Weise von ihren marktkonformen „Verwandten“.

Zielsetzung der Initiative Karakter Ernte

Ziel der Initiative Karakter Ernte ist es, gegen diese Art von Lebensmittelverschwendung entgegenzuwirken. Dabei wird auf diese wertvollen Lebensmittel mit Charakter aufmerksam gemacht, indem sie für den menschlichen Verzehr verfügbar gemacht werden. Damit wird ein wichtiger Beitrag gegen Lebensmittelverschwendung geleistet und die regionale Kreislaufwirtschaft unterstützt.

  • Wichtige Maßnahme gegen Lebensmittelverschwendung, da bisher nicht genutzte Teile der Ernte und Produktion als Lebensmittel Verwendung finden
  • Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung der KonsumentInnen im Hinblick auf Lebensmittelverschwendung
  • Erhöhung der Wertschöpfung in der regionalen Landwirtschaft

Die Initiative Karakter Ernte hat es sich zudem zum Ziel gesetzt, Bewusstsein für die Nutzung von derzeit nicht verkauften Produkten zu schaffen. Dazu gehört auch, den landwirtschaftlichen Betrieben einen fairen Preis für ihre Erzeugnisse zu gewähren und die entstandenen Kosten zu decken.

Nutzung und Verarbeitung
  • Wie lässt sich Karakter Ernte weiterverarbeiten?
  • Wie funktioniert die Lieferung?

Die Weiterverarbeitung von Karakter Ernte ist normalerweise ähnlich aufwendig wie bei herkömmlich vermarkteten Produkten – da gibt es ja auch manchmal größere und dann wieder kleinere Erdäpfel. Es sind höchstens minimale Anpassungen einzelner Arbeitsschritte notwendig, die sich aus möglichen Größenunterschieden ergeben.

  • Wann ist Karakter Ernte verfügbar?

Karakter Ernte fällt parallel zur vermarkteten Produktion an und ist somit solange verfügbar, solange heimische, regionale Ware verfügbar ist.

Sortiment Karakter Ernte

Im Ersten Jahr wurde das Sortiment der Karakter Ernte Großküchen und Gemeinschaftsverpflegung angeboten.

Ein Grundsortiment von Karakter Ernte Produkten wurde mit Dezember 2021 festgelegt und der Vertrieb wurde mit Hilfe eines Vertriebspartners gestartet.

Bestellsystem der Karakter Ernte

  • Ein Bestellsystem wurde in Kooperation mit einem Vertriebspartners erstellt und in Betrieb genommen
  • wöchentlich aktualisierte Sortimentsliste werden über den Vertriebspartner an die Kunden kommuniziert
  • Bestellung & Liefermöglichkeiten findet zwei Mal wöchentlich
Projekt KOMPOSTIERUNG Hall/Thaur

Das Verwerten von Gemüsereststoffen ist nur mithilfe von Kooperationen und intakter Zusammenarbeit möglich, denn die Entstehung von Gemüsereststoffen ist sehr volatil und durch die Witterungseinflüsse schwer kalkulierbar. Dazu braucht es eine gute Kommunikation von Landwirtschaft, Logistik, Verarbeitung und Konsum.

Als ein Vorzeigeprojekt soll die derzeit in Planung befindliche Zusammenarbeit von LandwirtInnen in Thaur und dem Kompostwerk der Stadt Hall in Tirol dienen. Hier wird in Form des Forschungsprojekts unter der Leitung des MCIs die Kompostierung von Gemüsereststoffen ermöglicht.

Mengenerhebung im Zuge des VerStraGem Projektes

Die zu Beginn des Vorhabens geschätzten Mengen von Gemüserestostoffen von etwa 16.000 t (Hochrechnungen mit Hilfe von Daten der Statistik Austria) werden weit übertroffen.
Damit entsteht ein großes Potential für folgende 3 Strategien

  • Reaktivierung z.B. Karakter Ernte
  • Stoffliche Nutzung z.B. Kompostierung und
  • Energetische Nutzung z.B. Biogasanlage

Hintergrund für die große Menge des Restgemüses

  1. Die internationale Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) schreibt genaue Standards für die Marktfähigkeit von Gemüseprodukten vor. Kleine Abweichungen führen zu einem Ausschlusskriterium.
  2. Durch a) wird auch der Konsument zunehmend durch das Schönheitsideal beeinflusst und hat idealisierte Ansprüche an die Optik, welche nicht den witterungsbedingten Einflüssen eines Naturproduktes entsprechen.
  3. Viele Märkte sind von einem kg-Preis auf einen Stückpreis umgestiegen, somit wird das Gewicht und die Größe der Ware sehr eingeschränkt, was nicht dem natürlichen Wachstum durch wechselnde Witterungsbedingungen entspricht.
  4. Hagelschaden und Trockenperioden vermehren sich und sind nicht planbar, was einerseits zu höheren Ausfällen und andererseits zu Überproduktion führt.

Ausblick 2022

Das Vorhaben VerStraGem befindet sich im Jahr 2022 im zweiten Förderjahr. Folgende Punkte werden bis zum Abschluss des Projektes bearbeitet:
Bewertung der Strategie nach Nachhaltigkeitskriterien

Die im Vorhaben erarbeiteten Nutzungspfade werden dabei anhand von Nachhaltigkeitskriterien bewertet und miteinander verglichen werden. Die Bewertung soll wiederum als generelles Entscheidungskriterium für den weiteren Verlauf gelten. Sollte es zu einer Umsetzung einer vorgeschlagenen Nutzungsmöglichkeit kommen, so muss diese Evaluierung erneut und konkret durchgeführt werden.

Weiterentwicklung der Marke Karakter Ernte

Im zweiten Förderjahr werden folgende Maßnahmen im Zuge der Integration der Marke Karakter Ernte der Agrarmarketing Tirol durchgeführt:

  • Kontinuierlicher Aufbau des Kundenstamms
  • Laufende Erweiterung des Angebotes
  • Erweiterung produzierender und abnehmender Betriebe
  • Über die Aktionstage der Tiroler Bäuerinnen Organisation werden im Oktober 2022 das Kinderbuch zum Inhalt der Karakter Ernte an alle Klassen der Tiroler Volksschulen an Tiroler Kindergärten und an die Qualität Tirol Betriebe verteilt.

Ziel des zweiten Jahres (2022) der Initiative Karakter Ernte liegt

  • im Aufbau und Stärkung der Marke Karakter Ernte und
  • der Produktenwicklung im Sinne der Weiterverarbeitung von Karakter Ernte Produkten sowie
  • der laufenden Erweiterung des Angebots der Karakter Ernte Produkte

Fokus wird dabei auf die Produktentwicklung von Convenience Produkten gelegt. Dabei werden geeignete Produzenten für die Weiterverarbeitung von Karakter Ernte Produkten gesucht und technische/ organisatorische Voraussetzungen geklärt.
Im zweiten Projektjahr wird zusätzlich sowohl Produzentenseitig als auch Abnehmerseitig die Partnersuche intensiviert. Im Fokus stehen dabei Kooperationen und Gespräche mit dem Tiroler Lebensmittel Einzelhandeln zum Zweck der Listung in den Lebensmittelläden. Diese Gespräche beziehen sich sowohl auf die Listung von Karakter Ernte Produkte als auch auf entsprechende Convenience Produkten.

Netzwerken für weitere Kooperationen

Die Kooperation mit dem Kompostwerk Hall in Tirol und den LandwirtInnen aus Thaur soll im zweiten Jahr weiterentwickelt und in Betrieb genommen werden. Im Weiteren werden ähnliche Kooperationen angestrebt.

Erarbeitung ganzheitlicher Strategie unter Einbindung aller Stakeholder

Aus dem Vorhaben VerStraGem sollen sich klare Verwertungsstrategien für Gemüsereststoffe aus Tirol ergeben, welche im Anschluss des Projektes auch konzipiert werden sollen. Ein Fortsetzen der daraus resultierenden Maßnahme wird vom Projektteam angestrebt.


Partner des Kooperationsprojekts VerStraGem

Das Projekt im Rahmen der Tiroler Wissenschaftsförderung zeichnet sich durch ein breit aufgestelltes Projektkonsortium aus:

https://www.mci.edu/de/

Für weitere Informationen zum Projekt wenden Sie sich bitte an:

Nina Viktoria Schaaf, B.Eng.MSc
MCI - Die Unternehmerische Hochschule®
Wissenschaftliche Assistenz & Projektmanagement Umwelt-, Verfahrens- & Energietechnik (BSc, MSc)
t 0512 / 2070 3223
f 0512 / 2070 3299
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w www.mci.edu


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